Q&A Intuitives Essen: Die häufigsten Fragen auf einen Blick

Für viele Menschen stellt die intuitive Ernährung nach Jahren der Kasteiung komplettes Neuland dar. Auf eine Ernährungsweise umzustellen, die einem erlaubt, bei Hunger zu essen, was und soviel man möchte, bis der Körper satt ist, klingt zu schön, um wahr zu sein. Und genau aus diesem Grund wirft dieses Konzept oft Zweifel auf: Ist die Umsetzung tatsächlich so simpel wie sie scheint und wie alltagstauglich ist diese Form der Ernährung wirklich? Da ich sowohl in meinen Workshops aber auch in Einzelgesprächen immer wieder den gleichen Fragen begegne, findest du hier meine Antworten zu den häufigsten Bedenken:

Frage 1: Ich habe Angst unendlich zuzunehmen, wenn ich anfange das zu essen, worauf ich wirklich Lust habe. Ist meine Sorge berechtigt? 

Die größte Hürde ist es, den Körper zunächst loszulassen, damit er sich daran gewöhnen kann von nun an genährt zu werden. Ob die Angst vor der Gewichtszunahme also berechtigt ist oder nicht, lässt sich sowohl mit einem Ja als auch einem Nein beantworten:

Ja, deine Sorge ist berechtigt: Ich persönlich habe zu Beginn der Umstellung auf die intuitive Ernährungsweise zugenommen. Doch war es das Intuitive Essen an sich, das mich an Gewicht hat zulegen lassen? Gewiss nicht. Ich war in einer Übergangsphase, sozusagen „Raus aus der Essstörung, hinein ins Intuitive Essen“. Zum damaligen Zeitpunkt habe ich nach wie vor aus vielerlei Gründen zum Essen gegriffen und bei Weitem nicht nur meinen physischen Hunger gestillt.

Und um ehrlich zu sein, geht es in der Anfangsphase vielen so: Ich habe nur selten erlebt, dass ein klarer Cut zwischen alter Ernährung (Essstörung, Diäten, etc.) und dem Intuitiven Essen von einer Sekunde zur nächsten realistisch ist. Die meisten Menschen gehen durch eine Phase des Herantastens und Ausprobierens. Eine Übergangszeit, in der man in kleinen Schritten neu erlernt, was es heißt nach den physischen Bedürfnissen des Körpers zu essen. Dies bedeutet genau genommen aber auch:  

Nein, deine Sorge ist nicht berechtigt: Sobald du nämlich gelernt hast, deinen Körper angemessen zu nähren, wirst du sehen, dass eine Zunahme an Gewicht gar nicht mehr möglich ist. Du nimmst die Mengen an Nährstoffen zu dir, die dein Körper braucht, um optimal zu funktionieren. Alles andere ist schlichtweg nicht intuitiv.

Kurzum: Eine Gewichtszunahme kann gerade zu Beginn der Ernährungsumstellung eintreten (Muss aber nicht!). Sobald sich jedoch die Rache-Gelüste, sprich die Phase, in der du nun alles isst, was lange Zeit verboten war, legt, wirst du sehen, dass ein wirklich intuitiver Zugang zum Essen weit davon entfernt ist, dir Extrakilos zu bescheren. 

Frage 2: Ich weiß oft nicht, worauf ich intuitiv Lust habe. Was kann ich tun? 

Idealerweise kommuniziert unser Körper durch seinen „Appetit auf Etwas“ (Nicht zu verwechseln mit dem emotionalen Essdrang) ziemlich genau, welche Nährstoffe ihm fehlen. Durch jahrelange Restriktionen und Einschränkungen bei der Nahrungsaufnahme, kann es allerdings gut sein, dass du vollkommen verlernt hast, auf die Stimme deines Körpers zu hören. Wenn es dir schwerfällt, herauszufinden was dein Körper wirklich möchte, versuche dich Stück für Stück an eine Antwort heranzutasten.

Stell dir als gedankliche Stütze einfach die Beschaffenheit verschiedener Lebensmittel vor und entscheide nach dem Ausschlussprinzip, welche Nahrungsmittel infrage kommen und welche nicht. Folgende Charakteristika werden dir dabei helfen: 

  • Temperatur: Soll deine nächste Mahlzeit eine warme oder eher eine kalte Speise sein? 
  • Konsistenz: Wie soll die Konsistenz deiner Speise sein? Suppenartig oder möchtest du lieber etwas zum Beißen
  • Geschmack: Herzhaft, süß, sauer, bitter, salzig, etc.? Worauf hast du primär Lust? Vielleicht soll es auch eine Kombination sein. 
  • Farbe: Es mag komisch klingen, doch auch die Farbe kann darüber entscheiden, ob wir ein Lebensmittel zu uns nehmen wollen oder nicht. Dies kommt nicht von ungefähr, denn oft gibt die Farbe eines Lebensmittels Aufschluss darüber, welche Inhaltsstoffe sich darin befinden. 
  • Geruch: Auch der Geruch einer Speise, spielt eine Rolle. Läuft dir das Wasser im Mund zusammen oder rümpfst du bei der Vorstellung an eine Speise eher die Nase? 

Frage 3: Es fällt mir unglaublich schwer, auf die Signale meines Körpers zu hören. Wie kann ich es schaffen, Hunger und Sättigung wieder wahrzunehmen und richtig einzuordnen?   

Zunächst einmal: Sei geduldig mit dir. Nachdem du deine körpereigenen Signale lange Zeit missachtet hast, kannst du nicht erwarten, dass diese von heute auf morgen wieder sofort zugänglich sind. Es dauert oft eine ganze Weile, bis sich Klarheit im Bezug auf Hunger und Sättigung einstellt.

Hunger und Sättigung stellen zwei Extreme eines Spektrums dar, zwischen denen du im Laufe eines Tages immer wieder hin und her wechselst. Hier findest du Tipps, die dich dabei unterstützen, zu starke Hunger- bzw. Sättigungsgefühle zu vermeiden: 

Hunger: Viele Menschen nennen oftmals Magenknurren, Kopfschmerzen, Schwindel oder gar Übelkeit als die ersten wahrnehmbaren Anzeichen von Hunger. Tatsache ist: Bei derartig ausgeprägten Signalen ist dein Körper bereits sehr stark ausgehungert, was idealerweise nie der Fall sein sollte. Warte nicht, bis dir dein Magen sprichwörtlich in den Kniekehlen hängt. Achte vielmehr auf subtilere Anzeichen deines Hungergefühls, wie beispielsweise die ersten Gedanken an die nächste Mahlzeit

Sättigung: Auch Sättigung wird oftmals falsch interpretiert. Ein Völlegefühl, das dich beinahe dazu zwingt, deinen Hosenbund zu lockern, ist schlichtweg zu viel des Guten. Gewöhne dir an, beim Essen immer mal wieder Pausen einzulegen, um in deinen Bauch hinein zu spüren. Zeichnet sich am Ende einer bewussten Ausatmung unter deinem Bauchnabel ein leichtes Druckgefühl ab? Sobald sich hier ein Empfinden bemerkbar macht, kannst du davon ausgehen, dass die Sättigung eingesetzt hat. (Funktioniert bei ausgewogenen Mahlzeiten, nicht bei großen Mengen an Flüssigkeit oder bei Unmengen an Rohkost). Probier’s aus!

Frage 4: Ich finde es schwer, die intuitive Ernährung mit den Essenszeiten anderer Familienmitglieder zu vereinen. Oft habe ich schon viel eher Hunger, möchte aber dennoch gerne mit den anderen zusammen essen. Hast du einen Tipp?

Sich intuitiv zu ernähren bedeutet nicht, bei Anzeichen des Hungers zwangsläufig eine große Mahlzeit verspeisen zu müssen. Da Hunger und Sättigung, wie oben genannt ein Spektrum darstellen, lässt sich die Nahrungszufuhr wunderbar darauf abstimmen, ob man im weiteren Verlauf des Tages noch etwas zu sich nehmen möchte oder nicht. Die praktische Umsetzung sieht dann in etwa so aus:

Solltest du beispielsweise starke Hungergefühle am Nachmittag bemerken und dennoch das gemeinsame Abendessen in ein paar Stunden wahrnehmen wollen, dann kannst du diesen Moment wunderbar für eine Zwischenmahlzeit nutzen. Wähle gezielt eine kleine Speise aus, die deinen Hunger bis zur nächsten Mahlzeit überbrückt, ohne dich dabei übermäßig zu sättigen. Somit lässt sich das Prinzip Hunger honorieren ideal mit den Essenszeiten der anderen vereinen. 

Frage 5: Ich esse meinen Teller prinzipiell leer, da ich kein Essen wegschmeißen möchte. Gleichzeitig esse ich dabei oft über meinen Sättigungspunkt hinaus. Was würdest du mir raten? 

Klar: Die meisten Menschen sind darauf bedacht, Essen nicht unnötig wegzuschmeißen. Immerhin hungern am anderen Ende der Welt die Menschen. Die Gründe scheinen mir einleuchtend, doch die Schlussfolgerung, dass wir deshalb unsere Teller auf Teufel komm raus leeren, ergibt einfach keinen Sinn. Mal ehrlich: Welchem Kind in Afrika ist damit geholfen, wenn du deinen Teller nun aufisst, obwohl dein Körper die Kalorien nicht mehr benötigt? Ob du die Reste nun wegschmeißt oder die überschüssigen Kalorien in deinem Körper in Form von Extrakilos einspeicherst, macht wirklich keinen Unterschied bezogen auf den Hunger dieser Welt. In beiden Fällen bleibt dieser nämlich unangetastet. Krass ausgedrückt machst du deinen Körper sogar zur Mülltonne. Die wahre Lösung des Problems: Lerne, deinen Teller nicht so voll zu machen. Hol dir lieber einen Nachschlag, wenn du noch hungrig bist.  

ABER was soll ich tun, wenn ich im Restaurant bin und die Portionsgröße einfach nicht schaffe? 

Auch hier ist die Lösung eigentlich ganz einfach: Die meisten Restaurants bieten an, Reste einpacken zu lassen. Da es allerdings auch hier Ausnahmen gibt: Frag am besten bereits im Vorfeld nach, ob es die Möglichkeit gibt, die Reste mit nach Hause zu nehmen. Sollte dies nicht der Fall sein, dann könntest du auch nach einer kleineren Portion fragen oder dir eine Speise teilen, falls du in Begleitung bist. 

Grundsätzlich lautet mein Rat auf alle Ängste und Zweifel: 

NIPSLD: Nicht In Problemen, Sondern Lösungen Denken. 

Es gibt weitere Fragen, die dir auf dem Herzen liegen? Schreib sie gerne unten in die Kommentare, ich werde sie dann ins nächsten Q&A mit aufnehmen. 



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namastefranzi

 

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