Wie du lernst, deinem Körper zu vertrauen

In den letzten Jahren ist mir immer wieder aufgefallen, dass die vollständige Heilung einer Essstörung oftmals einzig und allein daran scheitert, dass wir unserem Körper nicht zu 100 % vertrauen. Betroffenen ist dies meist nicht einmal bewusst, denn der kritische Blick in den Spiegel trägt genauso zur Aufrechterhaltung des Problems bei, wie das permanente Bemessen des Selbstwertes an einer lächerlichen Zahl auf der Waage. Dabei könnte alles so viel einfacher sein: Fangen wir nämlich an, unserem Körper blind zu vertrauen, lösen sich die meisten Probleme von ganz alleine. 

Zu Zeiten meiner Essstörung war ich Profi darin, mich selbst zu hassen. Egal wie viel ich wog, ich schämte mich für mein äußeres Erscheinungsbild und war geradezu darauf fixiert, meine vermeintlichen Schwachstellen ins Visier zu nehmen. Ein Verhalten, das nicht ohne Folgen blieb:

Aus meiner Unzufriedenheit heraus fing ich nämlich an, maßlos zu essen.

Essstörungstechnisch drehte ich mich von nun an im Kreis, denn ich schwankte stets zwischen Phasen der übermäßigen Disziplin und Phasen des kompletten Kontrollverlusts. Sobald ich das Gefühl hatte, alles im Griff zu haben, brachen die ungesunden Verhaltensweisen wieder über mich herein. Ein Zustand der mich ungemein frustrierte. Und es dauerte eine ganze Weile, bis mir dämmerte, dass meine destruktive innere Haltung der Grund für meine anhaltend gestörte Beziehung zum Essen war.

Dabei wünschte ich mir nichts sehnlicher, als einfach nur normal zu sein.

Ich bewunderte schon immer die Menschen, die alles essen können, ohne auch nur ein Gramm zuzunehmen. Im Gegensatz zu diesen natürlich Schlanken, genügte bei mir nämlich damals allein der Anblick von Essen, um an Gewicht zuzulegen. Immer wieder fragte ich mich, warum ausgerechnet ich mit einem Körper gestraft wurde, dem ich einfach nicht vertrauen konnte? Eine Frage, die mich regelrecht in den Wahnsinn trieb, bis ich anfing, nach einer Antwort zu suchen. 

Die Frage ist nicht, ob du deinem Körper vertrauen kannst. Es geht vielmehr darum, ob dein Körper dir vertrauen kann! 

Vertrauen beruht auf Gegenseitigkeit. Doch im Bezug auf meinen eigenen Körper hatte ich das so noch nie gesehen. Und ich musste mit Erschrecken feststellen, dass ich meinem Körper tatsächlich keinen einzigen Grund lieferte, mir Vertrauen entgegenzubringen.

Viel zu sehr war ich damit beschäftigt, gegen ihn anzukämpfen. Desto mehr ich realisierte, dass mein Kampf mit den Kilos nichts anderes war, als das Ergebnis meines negativen Mindsets, desto mehr brannte ich darauf, die Sache in die Hände zu nehmen.  

Dir kommt das Ganze bekannt vor und du suchst dringend nach einer dauerhaften Lösung des Problems? Dann stell dir zunächst die Frage aller Fragen

„Kann mein Körper mir vertrauen?“

Nimm dir kurz Zeit, spür in dich hinein und dann antworte ehrlich. Solltest du bei deiner Antwort auch nur einen Hauch von „nein“ verspüren, dann leg ich dir ans Herz, den Ursachen für dieses Misstrauen auf den Grund zu gehen.

Folgende Fragen werden dir dabei helfen, eine gegenseitige Vertrauensbasis zu deinem Körper aufzubauen:  

  • Intuitives Essen: Hörst du auf die Signale deines Körpers? Isst du, wenn du Hunger hast und hörst auf, wenn du satt bist? Nimmst du dabei auch tatsächlich das zu dir, worauf du Lust hast oder greifst du eher zu Lebensmitteln, die „gesünder“ oder „besser“ im Hinblick auf dein Gewicht sind?
  • Intuitive Bewegung: Machst du Sport, um dich ausschließlich wohl in deinem Körper zu fühlen? Oftmals bewegen wir uns einzig und allein, um abzunehmen. Doch nach Jahren der Sportsucht und erfolgloser Quälerei im Fitnessstudio, kann ich dir sagen: Dein inneres Wohlgefühl sollte der einzige Beweggrund sein, der dich zum Schwitzen bringt.  
  • Entspannung: Gönnst du deinem Körper eine Pause, wenn er sehnlichst danach verlangt? Viel zu oft zehren wir von Kräften, die wir eigentlich gar nicht haben. Wir leben über unsere Grenzen und Energiereserven hinweg und wundern uns dann, warum wir es auf diverse Art und Weise von unserem Körper heimgezahlt bekommen. Kurzum: Hör auf dein Bedürfnis nach Ruhe und Entspannung, statt dich vollkommen zu erschöpfen. 
  • Negative Self-talk: Hast du schon einmal beobachtet, wie du mit deinem Körper bzw. dir selbst sprichst? Ist deine Wortwahl liebevoll oder eher verachtend und abwertend? Um deine Beziehung zu dir selbst nachhaltig zu stärken, ist es unglaublich wichtig, dass du dich in einer positiven inneren Haltung übst. 
  • Soul-talk: Hörst du auf die Wünsche deiner Seele und lebst im Einklang mit deiner ganz eigenen inneren Weisheit? Hör auf, deine intuitive Stimme zu ignorieren. Es ist nicht deine Aufgabe, nach den Vorstellungen der anderen zu leben, denn du bist hier, um deine ganz eigene Wahrheit zum Ausdruck zu bringen.

Geh die einzelnen Fragen Stück für Stück durch und überlege dir bei jedem „nein“, wie daraus ein „ja“ entstehen könnte. Erst, wenn du deine Beziehung zu dir selbst nachhaltig positiv stärkst, wird sich dies auch im Äußeren bemerkbar machen, denn:  

Dein Körper ist nichts anderes, als ein Spiegel dessen, wie du selbst mit dir umgehst. 

Dir fallen noch weitere Fragen ein, die dir dabei geholfen haben zu deine*m*r eigenen besten Freund*in zu werden? Pack sie in die Kommentare, ich freue mich darauf. 



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namastefranzi

 

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