21 Dinge, die ich auf dem Weg raus aus der Essstörung gelernt habe

Die Tage werden kürzer und die Nächte wieder länger. Wie jedes Jahr heißt es für mich in dieser Zeit einen Gang herunterzuschalten, um den Blick gezielt nach Innen zu richten. Nach aufregenden und arbeitsreichen Wochen wende ich mich nun ganz bewusst meinen eigenen Themen zu. Dazu gehört für mich vor allem der Rückblick auf die vergangenen Wochen und Monate, um mir ins Gedächtnis zu rufen, wie viel sich doch getan hat, seit ich beschlossen habe, meine Essstörung hinter mir zu lassen. 

Vielleicht kurz vorweg: Mein eigener Heilungsweg fühlte sich für mich nur selten an, wie ein Weg. Ehrlich gesagt hatte ich vielmehr das Gefühl auf der Stelle zu treten oder im Dunklen zu tappen. Da aber weder das eine noch das andere der Fall war, mach ich mir insbesondere gegen Ende des Jahres stets bewusst, wie weit ich eigentlich gekommen bin. Die kleinen Schritte, die wir tagtäglich gehen, addieren sich nämlich zu einem gewaltigen Weg auf, auch wenn es sich nicht immer so anfühlen mag. Es lohnt sich also ab und zu mal stehen zu bleiben und auf das, was man bereits geschafft hat, zurückzublicken.  

Meine größten Learnings auf einen Blick: 

Ich habe auf meinem Heilungsweg gelernt, … 

1. … dass viel mehr Menschen mit dem Thema Essen kämpfen als ich mir jemals auch nur ansatzweise hätte vorstellen können.

2. … dass der Austausch mit Gleichgesinnten sehr heilsam ist, auch wenn er viel Überwindung kostet. Ich kann es dir nur ans Herz legen, denn für mich war der Austausch mit anderen der erste Schritt raus aus meiner Parallelwelt, die ich mir während meiner Essstörung aufgebaut habe. 

3. … dass die Aussage „Einmal Essstörung, immer Essstörung.“ einfach nicht stimmt.

4. … dass der Körper ein Wunderwerk ist und einem viel mehr verzeiht, als man glaubt.

5. … wie wichtig es ist, „nein“ zu sagen, um seine Grenzen zu ziehen. Sehr dabei geholfen hat mir der Satz:

Ein Ja zu anderen, das du eigentlich nicht so meinst, ist stets ein Nein zu dir selbst.“

6. … dass ein ganz unbefangener Umgang mit Essen auch nach Jahren des Kampfes möglich ist.

7. … dass Selbstliebe eine Praxis ist, der man sich jeden Tag annehmen sollte. Essproblem hin oder her. 

8. dass auf die eigene Intuition immer Verlass ist, auch wenn sie einem manchmal Dinge nahelegt, die auf den ersten Blick verrückt zu sein scheinen. 

9. … dass Heilung stets am Ende des Weges auf einen wartet, ganz egal wie beschwerlich die Reise dorthin auch ist/war. Was zählt, ist der Glaube daran, dass sie existiert. 

10. … dass sich immer gut und happy fühlen nicht normal ist. 

11. … dass man nicht von jedem gemocht werden kann. Genau das versucht man nämlich mit einer Essstörung: Überall hineinzupassen und konform zu sein, sprich: nicht kantig und auffällig zu sein. 

12. … dass Hunger nicht erst mit dem Magenknurren oder ersten Schwindelgefühlen beginnt, sondern mit den ruhigen Gedanken an die nächste Mahlzeit (Ich habe nämlich früher von mir erwarte, viel zu lange zu warten, bis ich mir erlaubt habe etwas zu essen. Übrigens ein Fehler, den viele machen.)

13. … dass Yoga Fluch und Segen zugleich sein kann. Mehr dazu auf fuckluckygohappy

14. … dass viele Menschen das Gefühl haben anders zu sein und nicht reinzupassen. Auch hier lohnt sich der Austausch, denn man ist nur selten mit seinen Gedanken und Empfindungen wirklich allein. 

15. … dass jede meiner Reisen in die Ferne ein kleines Puzzleteil zu meiner Heilung beigetragen hat. 

16. … dass sich alles verändern kann, auch zum Positiven. 

17. … dass man Fehler der Vergangenheit zwar nicht mehr rückgängig machen kann. Aber man kann Baustellen, ungeklärte Verhältnisse, etc. aufarbeiten und klären, sodass sich der Kreis schließt. 

18. … dass Hormone ziemlich viel dazu beitragen, wie ich mich in meiner eigenen Haut fühle, es gleichzeitig aber in meinen Händen liegt, ob ich mir davon den Tag versauen lasse oder auch nicht. 

19. … dass jeder Zweifel auch ein Ende hat. Manchmal dauert es länger, manchmal geht’s auch ganz schnell. 

20. … dass kein Mensch und keine Situation das Recht hat, mich zum Essen zu zwingen. Alles eine Frage der höflichen Kommunikation! 

21. … dass ich es verdient habe geliebt zu werden und ein glückliches Leben zu führen. Daran zweifelte ich nämlich vehement. 

Solltest du also vielleicht gerade das Gefühl haben, auf der Stelle zu treten, dann kann ich dir absolut ans Herz legen, bewusst bei einer Tasse Tee oder auch Kaffee, Inne zu halten und auf deine eigene Reise zurückzublicken. Ich bin mir sicher, dass die Veränderungen nicht ausgeblieben sind. Manchmal bedarf es einfach einem Moment der Ruhe, um sich davon zu überzeugen, dass man eben doch nicht stehen geblieben ist, sondern auf dem eigenen Heilungsweg ein ganzes Stück vorangekommen ist. 

Was sind deine größten Learnings, die du auf deinem Heilungsweg bisher schon hattest? Vielleicht hast du ja Lust sie mit uns unten in den Kommentaren zu teilen? 



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namastefranzi

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